Offener Brief: Solidarität mit den Kreatorinnen und Produzentinnen der ARD-Serie „Selling Sex“ - bufaS e.V.
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Offener Brief: Solidarität mit den Kreatorinnen und Produzentinnen der ARD-Serie „Selling Sex“

Offener Brief: Solidarität mit den Kreatorinnen und Produzentinnen der ARD-Serie „Selling Sex“

Die sechsteilige Serie erzählt die Geschichte der Studentin Nelly, die sich aufgrund ihrer finanziellen Situation für die Tätigkeit als Escort entscheidet. Dabei wird Sexarbeit nicht ausschließlich unter den Gesichtspunkten von Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel dargestellt, sondern als ein komplexes und ambivalentes Arbeits- und Lebensfeld mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven.

Aus unserer Sicht ist es wichtig, zwischen Sexarbeit und Zwangskontexten klar zu unterscheiden. Beide Themen sind gesellschaftlich relevant und verdienen Aufmerksamkeit, erfordern jedoch eine differenzierte Betrachtung. Eine Debatte über Sexarbeit, die unterschiedliche Lebensrealitäten nicht berücksichtigt, greift zu kurz.

Der Offene Brief nimmt zudem die öffentliche und mediale Rezeption der Serie in den Blick. Kritisiert wird insbesondere, dass Stimmen von Sexarbeiter*innen, Fachberatungsstellen und Wissenschaftler*innen in der Debatte häufig zu wenig berücksichtigt werden. Gerade bei einem gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutierten Thema ist es aus unserer Sicht notwendig, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und auch die Erfahrungen von Menschen hörbar zu machen, die selbst in der Sexarbeit tätig sind oder waren.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, problematische Aspekte von Sexarbeit auszublenden. Vielmehr braucht es eine Debatte, die Stigmatisierung und Diskriminierung ebenso ernst nimmt wie Gewalt und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und dabei die unterschiedlichen Realitäten von Sexarbeit nicht gegeneinander ausspielt.

Der Offene Brief fordert daher mehr Differenziertheit und Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte. Beschimpfungen, Abwertungen und eine zunehmende Polarisierung erschweren einen konstruktiven Austausch und können dazu beitragen, dass sich Sexarbeiter*innen aus der öffentlichen Debatte zurückziehen.

Wir möchten dazu beitragen, dass die Perspektiven von Sexarbeiter*innen stärker berücksichtigt werden und eine offene Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsrealitäten in der Sexarbeit möglich bleibt.

Der offene Brief ist eine Initiative von bufaS e.V., Madonna e.V., Linke für Selbstbestimmung, Anne Bonny und Ruby Rebelde.

Den vollständigen Offenen Brief können Sie hier lesen: Offener Brief als PDF